Ist Schäuble der Bundestrojaner?

Der Bundestrojaner oder auch Remote Forensic Software scheint die Gemüter zu erhitzen. Die einen können nicht genug wissen. Argumentieren mit Terrorismusgefahr und ähnlich schweren Straftaten. Völlig klar dass es auch dämliche Terroristen geben mag die sich im Klartext über die nächsten Bombenanschläge unerhalten. Dämliche Menschen gab es immer und wird es immer geben.
Was machen wir mit den cleveren Typen die zum Beispiel harte Verschlüsselung nutzen? Verschlüsselung verbieten wäre eine Idee. Aber seit wann scheren sich Terroristen und erst recht kranke Selbstmörder um das Gesetz? So etwas ist vorstellbar? Für wen?
Wohin eigentlich mit dem ganzen Wissen? Die Datenberge wachsen schon seit langem und auf alle erdenklichen Arten ins Unermessliche. Der gläserne Bürger wird mehr und mehr zur Realität. Anders als es noch Orsen Wells mit 1984 beschreib. Aber nicht weniger schlimm.
Die Anderen halten sich lieber bedeckt was ihre Gedanken, Gefühle und Intentionen angeht.
Das Bundesverfassungsgericht sagte schon 1983 Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wäre eine Gesellschaftsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Nun ist das zwar kein Gesetz und man muss dem Volkszählungsurteil auch nicht zustimmen. Wenn man sieht wie Menschen heute viele Details aus ihrem ganz persönlichen Leben preisgeben (Bonussysteme sind nur ein Beispiel) mag man auch teilweise an der Notwendigkeit zweifeln. Tatsächlich wurde in Studien (gerade nicht griffbereit)nachgewiesen dass sich Menschen anders verhalten wenn sie auch nur denken dass sie beobachtet werden könnten.
Alles schon mal gehört? Schon vor Jahren? Ich auch. Und trotzdem hat sich nichts geändert.
Online-Durchsuchung sollte aber auch nicht unbedingt durch das Internet kommen. Wir haben ja gelernt Anhängen in Mail zu misstrauen. Haben wir? ;-) Die Software wird wohl eher durch händisches Präparieren der Festplatte des Bespitzelten auf den Computer kommen denn über das Internet. Und daher für jede einzelne Überwachungsmaßnahme ein Unikat sein. Müssen. Welches neben bei bemerkt auf ca. 200.000 Euro pro überwachtem Computer geschätzt wird.
Nebend der halben Blogosphäre haben auch schon Nadessa,
Fefe und natürlich auch Spreeblick über das Thema geschrieben.
Zum Einstieg und Vertiefen folgende Hinweise:
Der heise-Verlag inklusive Telepolis zum Thema Überwachung, Bundestrojaner, Schäuble, netzpolitik.org zum Thema Datenschutz. Nicht zu vergessen natürlich der Chaos Computer Club und die Seite schlechthin über die Vorratsdatenspeicherung auf der kurz und knackig erklärt wird warum es eigentlich geht, warum das ein Problem ist und auf der auch auf die Demo Freiheit statt Angst am Samstag in der Hauptstadt hingewiesen wird. Wer lieber hören mag statt lesen nehme sich das Chaosradio auf Fritz vor, insbesondere die aktuelle Folge Der Bundestrojaner Reloaded. Gruß an Constanze, welche zusammen mit Frank Rieger (auch vom CCC) im Tagesschau-Chat vom April interessante Einblicke lieferten. Zitat: Der normale Computerbenutzer wird sich nicht wirkungsvoll schützen können..
Nachtrag: Noch mehr Links zum Thema Terrorbekämpfung, TK-Überwachung, Online-Durchsuchung bei heise.
Nachtrag 2: Wie mir erst jetzt bekannt wurde hat das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. eine Sonderausgabe ihrer Kommunikation Wider den Zeitgeist herausgebracht. Dieser beschäftigt sich mit genannten Themen und hält gut leserliche Artikel von kompetenten Autoren bereit. Auszugsweise auch im Netz zu lesen.
Inzwischen scheint man leicht zu sagen zu wollen:
Schäuble, wegtreten!

Dagger am Freitag, 21. September 2007, 01:23 in The World in my Eyes










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