Der Zug ist abgefahren. Oder kommt erst gar nicht

Komme später. Fahre mit der Berliner S-Bahn. Das ist der neue Slogan welcher seit neuestem auf T-Shirts von dasbahnblog erworben werden kann. Er entbehrt nicht einer gewissen Komik, überlege stark mir ein solches Shirt zuzulegen. Eigentlich fahre ich ganz gerne Bahn. Dass die Bahn hin und wieder zu spät kommt ist allgemein bekannt. Aber ist es denn wirklich so viel schlimmer als sonst wie der Spruch andeutet? Ja es ist.
Seit Wochen schon sind viele Züge zu spät, fahren in großem Abstand und quellen über Fahrgästen. Anfang Mai war eine S Bahn in Berlin Kaulsdorf entgleist weil ein Rad brach. Dies sollte nicht vorkommen. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) mahnte die Führung der S Bahn Berlin GmbH zu Prüfungen und häufigeren Inspektionen der Wagen. Diese unterließ dies allerdings wofür sie inzwischen komplett ihren Hut nahm und gehen musste. Dabei war sie doch auch angetreten um dem Wartungschaos ein Ende zu machen.

(Symbolabbildungen)
Schon 2007 warnte der Betriebsrat vor existenzgefährdenden Sparmaßnahmen. Die Werkstattkapazitäten wurden nicht (wieder) erhöht und so kam es wie es kommen musste. 2003 wurde ein ähnlicher Radschaden dem Eisenbahn-Bundesamt verheimlicht, es gab im letzten Winter diverse Wartungsmängel und im Mai 2009 der erwähnte Radschaden wie ein S Bahner im Interview sagt.
Das Chaos bei der S Bahn scheint eine direkte Folge der Privatisierung der Bahn zu sein. Es wird gespart ohne Ende bei der Bahn, weniger rentable Strecken werden still gelegt, das Personal für die Bahnsteigsaufsicht verschwindet häufig und Wartungen werden weniger. Inzwischen fahren bei der Berliner S Bahn bis Mitte August nur noch ein Drittel der Züge. Wie voll es dabei auf den Bahnsteigen und in den Zügen ist kann man sich vorstellen. In einen S Bahn-Zug passen bis zu 1.200 Personen. Vorletzte Woche auf dem Weg zum Hauptbahnhof war es sogar so voll wie ich es nicht einmal im besten Club der Stadt gut finde – ich wurde von einer Frau quasi auf einen Koffer gedrückt. Dazu war es noch recht warm. Auf dem S-Bahn-Ring fahren die Züge im 10-Minten-Takt, besser als nichts. Ansonsten meist mit verkürzten Zügen auf verkürzten Strecken in größerem Abstand. Oder eben gar nicht wie jetzt zwischen Zoologischer Garten und dem Hauptbahnhof. Glücklicherweise gibt es von verschiedenen Seiten Versuche das Ganze für Fahrgäste angenehmer zu gestalten. So verzichten die Berliner Verkehrsbetreibe auf ihren Ferienfahrplan (fahrinfo der BVG mit ohne S Bahn-Verkehr) und fährt mit allem, was fahren kann und es werden zusätzliche Regionalexpress-Züge – auch aus Schleswig- Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen – auf der Stadtbahn zwischen Berlin-Ostbahnhof und Potsdam eingesetzt. Auch aus München und Stuttgart wurden Züge geordert. Diese fahren aber nicht auf den S Bahn Strecken sondern auf den normalen Oberleitungsstrecken – damit hatte man schon zur Fußballweltmeisterschaft 2006 Erfahrungen gesammelt. Dazu kommt auch noch das Glück der Schulferien. Ab dem zehnten August soll es etwas besser werden – da freut mach sich schon auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Olympiastadion ab dem 15. August. Doch wird es noch bis Dezember 2009 dauern bis alles wieder normal

Einen Nachrichtenüberblick zum Thema gibt es beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) oder Google News, natürlich direkt von der S Bahn Berlin GmbH – an welche man sich auch direkt per Mail oder Telefon unter +49 (0) 30 29 74 33 33 wenden kann. Interessante Alternative bei schönem Wetter: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg und die Stern und Kreisschifffahrt starten mit der MS Prenzlauer Berg und der MS Brazil einen Schienenersatzverkehr auf dem Wasser zwischen Charlottenburg und Jannowitzbrücke. Und das kostenlos! Da sag ich: Ahoi!
Übrigens gibt es auch bei den berliner U Bahn-Wagen der BVG Probleme. Bei der neuen Baureihe HK gibt es Probleme mit Radsatzlagern und einer wenig er stabilen Motoraufhängung, teilweise mi Rauchentwicklung unter dem Wagenboden. Im Gegensatz zur S Bahn wird der kommende Austausch der Radsatzlager voraussichtlich von Oktober an den Betreib nicht beeinflussen.
Die Bahn selbst spart also an allen Ecken und Enden und gefährdet damit die Sicherheit ihrer Fahrgäste. Super Sache das. Ob ich meine BahnCard kündigen sollte? Immerhin hat die Bahn mit ihren Supersonderparangeboten durchaus preislich attraktive Angebote für Menschen welche gerne so früh wie möglich ihr Leben planen und auf Spontanität verzichten. Am Wochenende bin ich übrigens mal wieder unterwegs in mein Lieblingsbundesland – mit der Bahn.

(Symbolabbildung)
Dagger am Montag, 20. Juli 2009, 23:47 in The World in my Eyes










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