Berlinale 2011: Teil 2 – E-Love, The Guard, Sleepless Nights Stories und Margin Call

Teil eins meiner Serie über die Berlinale.


Weiter geht es mit dem Filmereignissen. Dieses Jahr gab es sogar zwei französische Filme hintereinander. Der nächste war E-Love. Ein Film über eine klassische Situation und die klassische Reaktion auf ein Ereignis. Paule, gespielt von Anne Consigny, ist 50 und wird trotz Ehe und Kind von ihrem Mann (Antoine Chappey) verlassen. Natürlich für eine Jüngere. Nach dem sie die beiden im Kino erwischt wandelt sich die eher ruhigere, fast biedere Dozentin. Sie lässt ihr eigentlich Ich einfach stehen und wendet sich dem Internet Dating-Portal „L'âme-sœur“ zu. Dort erlebt sie – erst nur zaghaft – allerhand Begegnungen welche sie auch selbst verändern. Zumindest gewinnt man den Eindruck. Der Kummer über die verlorene Liebe aber bleibt. Alles ganz wie im wirklichen Leben. Ein schöner aber auch vorhersehbarere Film mit Momenten bei dem gerade die Schlussszene einer dieser Momente ist. Nach dem Film war die Regisseurin in der Fragerunde und beantwortete die Frage ob sie selbst schon einmal Erfahrungen in einer solchen Community gemacht habe mit nein, was man ihr nicht so ganz abnimmt da der Film schon recht realistisch war.
The Guard ist dagegen ein recht unterhaltsamer Film. Ein paar Tage im Leben eines irischen Polizisten welche dieser üblicherweise eher ruhig verbringt. Damit ist es vorbei als ein Mord entdeckt wird. Unser Protagonist ist der eher unorthodoxe, um nicht zu sagen mehr als einmal politisch unkorrekte, Gerry Boyle für den Koks und Nutten keine Fremdwörter sind. Gespielt wird er von Brendan Gleeson, nicht erst bekannt aus Harry Potter bei dem er mehrfach in die Rolle des Alastor „Mad-Eye“ Moody schlüpfte. Er bildet gezwungener Maßen ein Team – wenn man das so nennen kann – mit dem fremdem FBI-Agenten Everett (Don Cheadle), was nicht so einfach gelingen mag. Zumal sich ein guter Polizist in einem Krimi offenbar immer durch große Probleme auszeichnet. Familie, Alkohol … Irgend etwas ist scheinbar immer da. Ein gut schaubarere Film mit routinierten Hauptdarstellern.


In Sleepless Nights Stories zeigt uns Jonas Mekas was einem nachts so durch den Kopf geht wenn man nicht schlafen kann. Die Möglichkeiten sind unendlich und die Erwartungen hoch. Allerdings habe ich noch nie einen so langweiligen Film gesehen. Gefilmt in 4:3 weiß man schnell nicht mehr ob die einzelnen Episoden geträumt, Erinnerungen aus der Vergangenheit oder dem Alkohol entsprungen sind. Trotz respektabler Persönlichkeiten wie Yoko Ono oder Patti Smith schafft es der Autor nicht auch nur eine wirklich mitreißende oder wenigstens interessante Episode darzustellen. Die Kamera zeigt viel zu oft Flaschen oder Gläser in Großaufnahme wenn diese auf dem Tisch abgestellt wird. Eine Eidechse mutiert zum Hauptdarsteller neben einem Pferd, einem Baum und ein paar Menschen welche tratschen, feiern und sich unterhalten. Unterbrochen durch Zitate fragt man sich wo der filmische Zusammenhang besteht. Der Regisseur – welcher durchaus einige Filmerfahrung hat – klöppelte offenbar einzelne Teile seines Lebens einfach zusammen. Ggodfather of American avant-garde cinema hin oder her. Enttäuschend. Vielleicht kann ich mit Avantgare im Kino aber auch einfach wenig anfangen.

Margin Call hingegen ist ein konventioneller Hollywoodfilm. Eine berühmte Besetzung spielt routiniert den beginn der Weltweiten Finanzkrise nach. Es gibt schöne Nachtbilder von weit oben und hin und wieder Einsichten in die Charaktere der wenigen Menschen um die es geht. Die bei denn ein großer Finanzcrash seinen Ursprung hat. Sie sind zwar einzeln nicht ursächlich verantwortlich. Werden aber in den Strudel der Ereignisse hineingezogen. Große Schauspieler wie Kevin Spacey, Jeremy Irons, Demi Moore und Paul Bettany. Alle werden in diesem Wettbewerbsfilm gekonnt in Szene gesetzt. Auch ein netter Film. Zu einem Thriller, wie angegeben, reicht es dann aber doch nicht. Typisch Hollywood eben: Nichts Besonderes, aber anschaubare Popcorn-Unterhaltung.
Am Ende war es doch wieder eine schöne Berlinale mit vielen tollen Einblicken, Filmen und ... Menschenmassen.










