Politcamp – Tag 1

Nun ist es schon ein paar Tage vorbei. In Deutschlands Politikhauptstadt Berlin trafen sich Mitte März zum Politcamp 2010 ein paar hundert Blogger, Journalisten, Netzwerker, Dagger und andere Menschen welche alles andere als politikverdrossen waren und mit den eingeladenen Sprechern und Politikern den direkten Kontakt, Gespräche und Informationen suchten. Einen recht großen Anteil machten auch die vielen Jugendlichen aus welche auch zum dort integrierten JugendPolitcamp 2010 angemeldet waren. Und diese Gruppe bestand nicht nur aus euphorischen jungen Piraten (JuPis) welche gut auf sich aufmerksam machten aber auch für entsprechende Reaktionen sorgten. Jetzt gab es das Problem dass parallel an diesem Wochenende am anderen Ende der Republik das Barcamp Ruhr 3 und das LawCamp mit einem breit gefächerten Themenspektrum stattfanden.
Das Barcamp selbst fing quasi schon vorher an. @mspro und @Booldog hatten
LiquidSession entwickelt – ein Tool zur kollektiven demokratischen Session-Themenfindung. Eine gute Idee welche den Gedanken des Mitmachwebs ähnlich weit treibt wie die für Barcamps üblichen Mixxt-Seiten.


Wichtige Themen gibt es in Sachen Netzpolitik ja genug. Da brauche ich Netzsperren, Open Access, politische Kommunikation mit und ohne Hilfe von Sozialen Netzwerken, Jugendmedienschutzstaatsvertrag und andere Themen gar nicht zu erwähnen zu denen intelligente und weniger intelligente Dinge gesagt wurden. Da gab es schon einige Politiker welche das Thema über das sie redeten nicht ganz verstanden oder sich schlicht nicht ausreichend genug informiert hatten. Alles kein Problem denkt man, wir sind ja alle nur Menschen und können nicht bei jedem Thema ein Experte sein. Bei Mitgliedern des Bundestages erwartet man aber schon mehr falls sie sich in ihrer Funktion zu einem Thema äußern. Ich bin ja ganz froh dass es inzwischen auch in der Politik Menschen gibt welche sich mit Netzthemen auskennen – auch wenn das nicht immer sichtbar wird. Einerseits sind diese Experten immer noch zu wenig – immerhin ist das Internet wohl die wichtigste neuere Technologie der Menschheit, es drängt einen Haufen Medien an die Wand und immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit im Netz. Die Zeiten ändern sich und das Verhalten der Menschen auch. Und so sehr auch Politik von alten starren Strukturen der Macht geprägt ist so sehr merkt man dass Menschen auch andere Wege gehen. Nicht Politikverdrossenheit, sondern Politiker- und Parteienverdrossenheit sind die Folge. Wenn dann MdB Dr. Kristina Schröder lieber 20 als zwei wissenschaftliche Mitarbeiter haben möchte ist das ein verständlicher Wunsch dem aber wohl kaum nachgekommen werden kann.
Die Zeit welche Politiker haben um sich mit dem Netz zu beschäftigen wird immer noch grob unterschätzt von Nichtpolitikern. Die Notwendigkeit sich mit dem Netz zu beschäftigen wird immer noch grob unterschätzt von Politikern.


Eine interessante Session – oder eher Panel – war Politik trifft Web 2.0 – Dauerhafter & konstruktiver Austausch u. a. mit dem MdB Dr. Kristina Schröder. Sie twittert übrigens unter @kristinakoehler und auf ihrer Homepage sieht man exemplarisch was eine Politikerin im Bundestag so treibt und warum ein MdB eben nicht immer im Bundestag an allen Sitzungen teilnehmen kann. Mit dabei waren z. B. MdB Müller-Sönksen der die Diskussion um den Begriff Todesstrafe bereicherte und die Todesstrafe lieber nicht in Deutschland wieder einführen wollte (Stichwort: Hessen).
Auch MdB Volker Beck und die anderen Teilnehmer bekleckerten sich nicht mit Ruhm als es um Abmahnungen gegen den kleinen Bürger ging. MdB Halina Wawzyniak viel zumindest positiv auf als sie ansprach dass sie kaum mehr herkömmlich verteilte Pressemitteilungen herausgibt sondern eher auf ihre Homepage und Twitter setzte; sogar ein YouTube-Kanal wird bedient. Das merkt man ihr auch an. Das sich Thomas Knüwer hier eher positiv hervortat in dieser Diskussion braucht man kaum erwähnen.
Die Diskussion zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag war ähnlich gehalten, erfreute mich aber dennoch z. B. durch das Erscheinen von Constanze Kurz welche noch immer den selben zackigen Metallica-Anhänger wie damals in den Semiaren mit mir an der Uni trägt. Die Möglichkeiten von Eltern täglich hunderte von gewünschten Webseiten ihrer Sprösslingen qualifiziert zu bewerten und dann ggf. für die Kids freizuschalten sind doch eher begrenzt. Öffnungszeiten im Internet verdienen einen ziemlichen Lacher. Bitte mehr mit der Realität beschäftigen und nicht nur um sich selbst kreisen! möchte man manchen Politikern zurufen. Es reicht eben nicht nur ein Facebook Fanseite zu haben. Man muss auch das Netz bedienen wenn man sich dort aufhält. Erste wichtige Schritte werden gemacht, auf den immer wieder angekündigten Rest wartet man.


Markus Beckedahl von netzpolitik.org hielt auch eine Session welche ich allerdings nur kurz besuchte. Das Thema war bekannt und es gab noch anderes Interessantes an diesem Abend. Natürlich war auch Netzaktivistin Franziska Heine auf dem Camp welche sich z. B. von Dirk Baranek interviewen ließ.
Übrigens tat sich in der Woche nach dem Politcamp auf der Twitterwall immer noch einiges. Schon eine schicke Idee so ein Rückkanal. Obwohl die reale Manifestation durchaus diskussionswürdig erscheint.
Trotz des nicht direkt supertollen Wetters wurde am Abend kräftig angegrillt auf der Terrasse direkt an der Spree. Gute Idee, leider schon etwas dunkel. Stelle mir vor dass es im Sommer IDEAL schick wäre dort unten in der untergehen Sonne zu sitzen, ein Grillteller und Bier in der Hand und gute Gespräche zu führen. Dummerweise hat es meinen Schuh erwischt und ich bin abends mit einer Zwischenstation in der Ponybar fix nach hause. Nasse Füße wollte ich vermeiden und habe so auch einiges an Socializing verpasst. Schade aber nicht zu ändern. Trotzdem war es ein guter erster Tag.
Politcamp – Tag 2
Dagger am Freitag, 26. März 2010, 19:31 in Triff das Internet










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