re:publica 2010 – Tag 1 #rp10

Das war sie einmal wieder. Dir vermutlich größte Blogger-Konferenz die so viel mehr ist als ein Treffen von Blog-Nerds in ganz Europa. Nicht alle, aber bei ausverkauften Häusern 2.500 Teilnehmer waren gekommen um 72 Stunden Dauerparty mit Internet zu machen. Vermutlich waren die meisten davon gar kleine Blogger. Es ging ja nicht nur um Bloggen sondern um alles andere wo Internet und real life sich überschneiden.
Wobei mit Internet für viele und die meiste Zeit auch für mich eher geschönt klingt. Trotz sorgfältiger Vorbereitung konnte das erreichtete WLAN dem Ansturm von in Spitzenzeiten bis zu 1.000 gleichzeitig eingebuchten Geräten nicht immer standhalten. Auch die verfügbaren Funkzellen am Ort waren ständig mehr als gut auslastet.


Das war es aber auch schon fast mit der Kritik an einem großen Event. Dreieinhalb Tage Dauerparty – inklusive Notizbuchblättereien (Nachtrag: Hier die Story) und der obligatorischen pl0gbar Jahreshauptversammlung im ebenso obligatorischen St. Oberholz haben meinen extra für diese Woche genommenen Urlaub fast komplett ausgelastet. Und das war auch gut so.
Im Friedrichstadtpalast legt Jeff Jarvis mit The german Paradox los. Er hält einen eher mitreißenden und interessanten Vortrag über Deutsche und ihr Verständnis von Privatsphäre und Datenschutz. Das Problem ist nicht der prinzipielle Verlust Privatsphäre sondern die Kontrolle über die eigenen Daten welche immer mehr verloren zu gehen scheint. Was auch Michael Seemann in seinem Blog [CTRL]-Verlust bei der FAZ beschreibt. Privatheit wird durch gesellschaftlich aufgestellte Regeln erzeugt. Es gibt allerdings eine Wertschöpfung durch Veröffentlichung in der Gesellschaft. Das nicht nur für sondern andere auch für sich. Jarvis stellt fest das das Internet kein Medium sei, kein weiterer Kanal. Es ist ein Raum. Ein Raum für Verbindungen, eine große „Connection machine“.
Dafür braucht es Spielregeln für den zweiten Lebensraum. Udo Vetter referiert im großen Saal der Kalkscheune vor ebenfalls zahlreichem Publikum über großes und kleines Recht im Internet inklusive Beispielen aus der Praxis. Interessant bis bekannt. Wohl am ehesten der für angehende Blogger geeignetste Vortrag.

Zurück im Friedrichstadtpalast – der geneigte Leser ahnt welch ein hin und her die ganze re:publica war. Prof. Dr. Peter Kruse präsentiert neueste wissenschaftliche Ergebnisse in What´s Next (Mit Videos und den Folien), spricht über den Kampf kultureller Werte. Für mehr Wertediskurs statt gutem oder schlechtem Internet und die Formung der Realität durch Werte. Es gibt allerdings unterschiedliche kulturelle Wertewelten in denen die Menschen Leben. Einerseits die Digital Visitors, sie sind die Zuschauer. Andererseits die Digital Residents, sie leben auch in der virtuellen Welt welche für sie gar nicht mehr so virtuell ist. Für sie sind reales Leben und Internet gleichberechtigt nebeneinander. Mit Überschneidungspunkten aber ohne – oder nur mit geringen – Berührungsängsten. Sie zeigen Mut und zeigen mehr gestalterische Werte. Hoch interessante Unterschiede. Einerseits eine Faktenübereinstimmung. Andererseits eine nicht offen kommunizierte Wertediferenz zwischen beiden Gruppen.
Das Internet mit seinem Web 2.0 ist ein Angriff auf vorherrschende gesellschaftliche Strukturen welcher nur durch komplettes Abschalten beendet werden kann. Es ist ein Angriff auf die alten Anbieter, eine Verschiebung der Strukturen. Ein kluger Kopf, dieser Peter Kruse.

Manche Sessions konnte ich nur kurz besuche. Schließlich sollte das socializing nicht zu kurz kommen. So auch die nächsten Referenten. Marc Rene Gardeya hatte einen kurzen Vortrag über Mobile augmented Reality und erklärt in wenigen Worten Augmented Reality: real und virtuell, interaktiv und real-time, in 3D. Der Layar Reality Browser ist sicher vielen Nutzern moderner Smartphones bekannt. Auch mir leistet er hin und wieder gute Dienste.
Sascha Pallenberg – ein Techikblogger vor dem Herrn – fragt Blogs monetarisieren aber wie? und erkennt dass Content ja King sein soll. Das schaut nach richtig professionellem Bloggen aus und man findet kaum mehr Zeit für andere Dinge. Ob ich das so für mich möchte wage ich zu bezweifeln. Aber man ist froh dass Menschen so einen Elan an den Tag legen.

Lorenz Lorenz-Meyer wiederum lehrt tatsächlich Online Journalismus an der Universität und war auch auf dem Politcamp dabei. Bei Upgrading political Journalism spricht er über politischen Journalismus und moniert gleichzeitig die etwas einseitigen Diskussionsthemen mit Schwerpunkt Internet. Dieses – ich nenne es einmal Elfenbeinturmphänomen ist auch Markus Reiter in seinem Buch Dumm 3.0 und bekannt und mir selbst auch schon aufgefallen. In einem späteren Artikel werde ich näher darauf eingehen.
Stay tuned!
Das erste mal auf der diesjährigen re:publica in einem der kleinen Workshop-Räume hörte das Publikum Falk Lüke über Verbraucherschutz im Internetzeitalter zu. Der referiert erst einmal über Verbände und die Einordnung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes VZBV. Im Raum gab es , wenig überraschend, niemanden der für ein Three-Strikes-Modell zu haben war. Das hat ja auch etwas von Mittelalter. Wie Handabhacken
Noch erähnenswert ist sicher immer wieder Peter Glaser mit Die digitale Faszination - Vom Leben auf dem achten Kontinent was ich leider nicht miterlebt habe aber hier nachgelesen werden kann. Die hübschen Live-Zeichnungen stammen übrigens von Anna Lena Schiller Damit endete der offizielle Teil des ersten Tages re:pubica. Das es auch ein wirklich schöner Abend wurde versteht sich fast von selbst. Wobei ich hier aber nicht näher eingehe.
Alle Bilder vom ersten Tag in meinem Album re:publica 2010.
Dagger am Montag, 3. Mai 2010, 19:34 in Triff das Internet











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